Nach ihrem Abschluss an der Kunstgewerbeschule Stuttgart emanzipiert sie sich schnell von der rein figuralen Plastik ihres Lehrers, dem Bildhauer Alfred Lörcher (1875–1962), und macht sich bereits 1940 mit einer eigenen Werkstatt in Blaubeuren selbstständig. Inspiriert von den architektonischen Designlehren in der italienischen Zeitschrift "Domus", herausgegeben von Gio Ponti (1891–1979), und ihrer tiefen Verbundenheit zur Natur entwickelt sie Formen und Glasuren, die ihre unsignierten Gefäße sowohl als Kunst- als auch Gebrauchsgegenstand wirken lassen. Während die meisten Keramikschaffenden in der Nachkriegszeit noch zwischen Rückbesinnung und Neuorientierung pendeln, erregt Rössle-Burkhardt 1948 erstmals Aufmerksamkeit in einer Ausstellung der Stuttgarter Galerie Hermann mit asymmetrischen Schöpfungen, die nicht mehr den bisher rein nützlichen Keramiken entsprechen. Darauffolgend werden hohe, schlanke Vasen mit Wülsten und erdiger Glasur zu ihrem Markenzeichen. Später tragen ihre nun strenger und schlichter geformten Steinzeuggefäße experimentelle Dekore wie Krakelee, Engoben und matte Glasuren. Die Arbeiten der 1970er Jahre sind geprägt von raumgroßen Gefäßen, die vor allem als Kunst im öffentlichen Raum in Theatern und städtischen Gebäuden gefragt sind, darunter im Schauspielhaus Bochum, im Stadttheater Bremerhaven, im Schauspielhaus Wuppertal, in der Stadthalle Mühlheim a. d. Ruhr sowie im heutigen Heinz-Hilpert-Theater Lünen. Ihre Kreationen sind zudem in zahlreichen deutschen Museen und Sammlungen vertreten, wie im Badischen Landesmuseum Karlsruhe, im Hessischen Landesmuseum Darmstadt und im Städtischen Museum Braunschweig. Aber auch international ist Lotte Rössle-Burkhardt eine anerkannte Künstlerin, deren Werke bei Wettbewerben und Präsentationen in Mailand, Faenza, Cannes und Peru gezeigt werden.
VITA